Der Elwin Staude Verlag, der seit über 125 Jahren die Deutsche Hebammen Zeitschrift (DHZ) verlegt, hatte im September 2012 Hebammen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu einem Fachkongress nach Hannover eingeladen. „Hebammenkunst – Die Rettung der normalen Geburt“ lautete der provokative Titel dieses ersten DHZ-Kongresses, der offensichtlich einen Nerv getroffen hat: Die Veranstaltung war bereits zwei Monate vor dem Tagungstermin ausgebucht. 800 Hebammen waren nach Hannover gekommen, um von den acht Fachvorträgen und fünf „Mutmach-Beispielen“ aus der Praxis zu profitieren. Neben der Vermittlung von Wissen stand der Austausch unter den Berufskolleginnen im Mittelpunkt des Kongresses, die viele Inspirationen zum Thema „normale Geburt“ mit in den Berufsalltag nahmen.
. Ina May Gaskin besucht das KRH Klinikum Nordstadt
Trägerin des Alternativen Nobelpreises nimmt am Hebammenkongress in Hannover teil

Angélique Benecke, Rabea Schmid und Nadine Wilhelm (v. l.) freuen sich über den 2. Preis beim Posterwettbewerb
Das KRH Klinikum Region Hannover konnte bei dem Kongress einen großen Erfolg verzeichnen: Die Hebammenschülerinnen gewannen beim internationalen deutschsprachigen Posterwettbewerb, in dem Praxisprojekte vor dem großen Publikum vorgestellt werden mussten, gleich zwei Preise. Den 2. Preis erhielt das Poster des Kurses 61, in dem die Ausbildung an den Simulationspuppen im FIPPS dargestellt wurde. Der 3. Preis ging an Monique Lensing, Hebamme im KRH Klinikum Nordstadt, deren Poster Schwangere in mehreren Sprachen über diverse Schwangerschaftsbeschwerden, deren Bedeutung und natürliche Linderungsmittel informiert.

Ina May Gaskin mit den Hebammen Merle Kopetz (links) und Bianka Wilkening
Ein besonderer Höhepunkt des Kongresses war die Teilnahme von Ina May Gaskin, US-amerikanische Hebamme und Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2011. Im Rahmen einer Vortragsreise, die sie unter anderem zum DHZ-Kongress geführt hatte, besuchte sie auch die geburtshilfliche Abteilung des KRH Klinikums Nordstadt. „Das ist aber schön hier“ freute sie sich, als die Hebammenschülerinnen ihr den Kreißsaalbereich zeigten. Ebenso wie die räumliche Gestaltung bewunderte die Nobelpreisträgerin die engagierte Art, mit der das geburtshilfliche Team am Thema der normalen Geburt arbeitet: Neben der kompetenten Ausbildung von Hebammen und Fachärztinnen schaffen es Hebammen, Ärzte und Ärztinnen, die Kaiserschnittrate deutlich unter dem Bundesdurchschnitt zu halten und ermutigen Frauen – anders als in vielen anderen deutschen Kliniken –auch zur normalen Geburt, wenn ihr Kind in Steißlage liegt.
Anschließend besuchte Gaskin auch den neuen Simulationskreißsaal, in dem die KRH-Teams aus Anästhesie und Geburtshilfe gemeinsam Trainings absolvieren, um im Normal- und im Notfall optimal für die Gesundheit von Mutter und Kind zusammenzuarbeiten. Dort demonstrierte sie die Entwicklung von Kindern in schwierigen Geburtspositionen am Modell der SimMom. Ina May Gaskin sprach mit dem Mitarbeiterinnen verschiedener Berufsgruppen, von der Hebammenschülerin bis zur Kreißsaalärztin, zeigte sich interessiert an vielen Details der Geburtshilfe im Klinikum Nordstadt und beantwortete geduldig Fragen. Ihr Resümee des Besuchs fiel sehr positiv aus: Sie werde gute Erinnerungen aus Deutschland mitnehmen, wenn sie wieder nach Tennessee zurückkehre.
Dienstag, 18. September 2012
Fotos: © Monique Lensing