
Akribisch und sorgfältig bei der Arbeit: Ärzt*innen der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie des KRH Klinikum Siloah operieren an der Leber eines Patienten.
Vor ihr klafft der Bauch des Patienten auf. Von ihrer OP-Pflegekraft in Fachweiterbildung bekommt Nora Lakenberg, Oberärztin und Koordinatorin des Darmkrebszentrums am KRH Klinikum Siloah, eine chirurgische Schere gereicht. Als nächstes muss die Leber des Patienten freigelegt werden, damit ein Tumor darunter entfernt werden kann. Mit ruhiger Hand geht sie umsichtig damit vor, durchtrennt die einzelnen Gewebeschichten und legt dadurch die Leber frei.
Das dabei austretende Blut ist für die Ärztin kein Problem. „Ich fand es noch nie schlimm, Innereien oder Blut zu sehen, schon im Studium nicht. Irgendwann sieht man nicht mehr das Blut vor sich, sondern nur noch den Weg zwischen Venen und Arterien, an dem man entlang schneiden muss, um starke Blutungen zu vermeiden“, erzählt sie.
Lakenberg ist erleichtert über den Erfolg dieses Drahtseilaktes, die wichtigsten Arterien und Venen wurden geschont. „Aufgrund der Individualität eines jeden Patienten ist trotz meiner OP-Routine dabei immer wieder höchste Konzentration gefragt“, beschreibt die Ärztin den Vorgang. Der Patient befindet sich weiter in einem stabilen Zustand, Herzschlag und Atmung sind gleichmäßig. Es steht der essenzielle Teil der Operation an: Das Krebsgeschwür muss entfernt werden.
„Man darf sich das bei uns nicht wie in einer Filmszene vorstellen. Wir schreien uns im Regelfall während einer Operation nicht an und es rennen dabei auch nicht überall Ärzt*innen wild umher“, erklärt Lakenberg.
Große Operationen wie die Entfernung eines Krebstumors sind ein wichtiger, jedoch bei weitem nicht der einzige Teil des Arbeitsalltags in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasive Chirurgie des KRH Klinikum Siloah. Direkt nach Arbeitsbeginn um 7 Uhr steht die große Morgenvisite an: Lakenberg und ihre Kolleg*innen besuchen dabei Patient*innen der Klinik und kontrollieren deren Wohlbefinden sowie ihren Heilungsprozess.
Anschließend an die Patientenbesuche findet eine Teambesprechung mit allen Ärzt*innen der Klinik unter der Leitung des Chefarztes Prof. Dr. Julian Mall statt. Im Konferenzraum gehen sie auf zwei riesigen Fernsehbildschirmen Röntgenbilder von heute zu operierenden Patienten durch. Ebenfalls werden alle Kolleg*innen zum Ablauf des Tages gebrieft. Für Lakenberg stehen zwei Operationen an: Zunächst die Entfernung des Krebstumors und daraufhin die Amputation eines Zehs.
„Bei der Entfernung des Krebsgeschwürs muss vorsichtig vorgegangen werden“, erklärt die Ärztin. Die Leber wird behutsam angehoben, sodass das Karzinom besser erreicht werden kann. Stück für Stück schneiden Lakenberg und ihre Kolleg*innen dann das tumortragende Segment der Leber heraus und legen den runden, etwa drei Zentimeter großen roten „Klumpen“ bei Seite. Daraufhin wird der Bauch wieder zusammengenäht.
Knapp vier Stunden dauert die erfolgreiche Operation. „Eine so lange OP gleicht schon ein wenig einem Marathon. Man ist dann echt froh, wenn sie erfolgreich verlaufen ist“, berichtet Lakenberg. Für die Ärztin gibt es anschließend eine kurze Pause mit Kaffee und Zwieback in der kleinen Küche neben dem OP-Bereich, bevor auch schon der nächste Saal für die anstehende Amputation des Zehs vorbereitet werden muss.