
Prof. Dr. Dr. Welkoborsky betont beim Thema Ohrgesundheit die Wichtigkeit von Prävention und Selbstfürsorge.
Am 3. März ist der Welttag des Hörens – ein Aktionstag, der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Bundesverband der Hörsysteme-Industrie ins Leben gerufen wurde, um das Bewusstsein für Hörgesundheit, Hörvorsorge und frühzeitige Diagnostik zu stärken. In Deutschland steht der Welttag in diesem Jahr unter dem Motto „Klingt nach Leben! – Das Leben mit allen Sinnen genießen, heute und in Zukunft!“, das die Bedeutung des Hörens für Lebensfreude, Kommunikation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben betont.
„Gutes Hören begleitet uns ein Leben lang – es schafft Verbindung zu unserer Umwelt, zu anderen Menschen und ist ein entscheidender Faktor für eine hohe Lebensqualität“, erklärt Prof. Dr. Dr. Hans-Jürgen Welkoborsky, Chefarzt der Klinik für Hals, Nasen-, Ohrenheilkunde im KRH Klinikum Nordstadt. „Gerade wenn Veränderungen im Hörvermögen auftreten, lohnt sich der Weg zu einer spezialisierten HNO-Abklärung.“
Die Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am KRH Klinikum Nordstadt in Hannover nimmt diesen Tag zum Anlass, um auf die Bedeutung der Hörgesundheit aufmerksam zu machen und insbesondere für eine frühzeitige fachärztliche Diagnostik zu sensibilisieren. Gerade bei jungen Menschen sind die Folgen eines regelmäßigen Konsums z. B. zu lauter Musik oft nicht unmittelbar erkennbar. Deshalb macht Prof. Dr. Dr. Hans-Jürgen Welkoborsky im Interview darauf aufmerksam.
Herr Prof. Welkoborsky, welche häufigsten Ursachen für Hörverlust sehen Sie aktuell bei jungen Menschen?
Bei Kindern ist eine Hörminderung oft auf einen Mittelohrerguss zurückzuführen, der eine Schallübertragungsstörung verursacht. Ursache ist dann meist eine vergrößerte Rachenmandel („Polypen“) und eine Funktionsstörung der Ohrtrompete. Hier können wir mit einem kleinen operativen Eingriff oft das Hörvermögen wieder normalisieren.
Bei Jugendlichen und jungen Menschen ist eine Hörstörung in erster Linie auf eine Lärmschwerhörigkeit zurückzuführen, die weitestgehend hervorgerufen wird durch Unterhaltungselektronik oder durch den Besuch von Diskotheken oder Konzerten. Wenn man zu nah z. B. an den Lautsprecherboxen steht, kann es durchaus sein, dass Lautsprecher 120 oder 130 Dezibel abgeben. Das entspricht in etwa einem startenden Airbus, wenn Sie in 30 Meter Entfernung zu ihm stehen. D. h. das ist ein Lärmpegel, der die Ohren ganz schön schädigen kann.
Unterhaltungselektronik, gerade Kopfhörer, die die Ohren sehr stark abschirmen, oder auch Ohrstecker, die den Gehörgang komplett abschließen, sind häufige Ursache für Lärmstörungen der Ohren. Wenn Sie ein Gerät anschließen, z. B. ein Handy oder auch ein anderes Unterhaltungselektronikgerät, und das sehr stark aufdrehen, können Sie unter Umständen 100 bis 110 Dezibel auf die Ohren bekommen. In aller Regel ist es so, dass die Kopfhörer etwa zwischen 75 und 110 Dezibel abgeben.
Die Entwicklung der Hörstörung ist erstens abhängig von dem Gerät, zweitens von der Nutzungsdauer und drittens von der Lautstärke. D. h. wenn ich eine sehr hohe Lautstärke habe, kann ich einen bleibenden Hörverlust bereits bei einer sehr geringen Nutzungsdauer erzeugen. Wenn ich eine geringe Hörlautstärke habe, kann ich sehr lange Musik hören oder das Gerät nutzen, ohne dass ich eine Hörstörung bekomme.
Und die dritthäufigste Hörstörung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind angeborene Hörstörungen oder auch familiäre Hörstörungen.
Aber in erster Linie entsteht eine Hörstörung bei jungen Leuten durch die Unterhaltungselektronik und durch Freizeitaktivitäten.
Wie stark beeinflussen Kopfhörer und Dauerbeschallung das Gehör wirklich?
Je lauter der Schall, desto kürzer sollte die Nutzungsdauer sein, damit ich keine Hörstörung bekomme. Die Grenze liegt bei etwa 85 Dezibel. 85 Dezibel über acht Stunden, das entspricht etwa einem Rasenmäher, ist die Grenze der Gehörschädigung. D. h. wenn Sie Musik mit 75 Dezibel hören, können Sie den ganzen Tag hören, ohne dass dem Gehör etwas passiert. Wenn Sie aber Musik mit 105 oder 110 Dezibel hören, dann reichen unter Umständen 20 Minuten, um eine bleibende Hörstörung zu verursachen.
Zur Einordnung: Bei einem Gespräch zwischen zwei Menschen bewegen wir uns bei 65 bis 75 Dezibel. 110 Dezibel ist schon eine ganze Menge, das entspricht etwa einem Presslufthammer.